Der Tag, an dem Kunstzerstörer Hans-Joachim Bohlmann in Hameln zuschlug
Shownotes
Es war eine bis heute beispiellose Serie von Anschlägen auf Kunstwerke: Als „Säurespritzer“ verbreitete Hans-Joachim Bohlmann Angst und Schrecken in deutschen Museen – der angerichtete Schaden war gewaltig. Weniger bekannt ist jedoch: Auch in Hameln verübte Bohlmann Kunst-Attentate. Die neue Folge des Dewezet-Geschichtspodcasts „Der Tag, an dem …“ beleuchtet die Ereignisse des 6. Oktobers 1977.
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00:00:03: Guten Abend.
00:00:11: Ich bin Frank Henkel von Beruf Journalist
00:00:14: und ich bin Claudia Höflich, die Leiterin des Museums Hameln.
00:00:18: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres DWZ-Geschichts Podcast der Tag an dem.
00:00:26: und zum ersten Mal herzlich willkommen live im DWZ Café!
00:00:31: Wir freuen uns dass Sie heute Abend bei uns sind.
00:00:37: Wir begeben uns gedanklich gleich mal an Claudias Arbeitsplatz.
00:00:42: Wir sind an der Osterstraße, das heißt es geht im Grunde nur ein paar Türen weiter nämlich ins Hamelnam Museum.
00:00:51: dort hängt ein Bild da hängen mehrere Bilder aber übereins reden wir jetzt länger.
00:00:57: dieses Bild war eigentlich mal für das hameln am Münster gedacht und zu sehen ist ein würdiger Herr mit wenig Haupt Haar und ganz viel Bart.
00:01:09: Und weißer Halskrause, ein ordentlicher Ölschinken ist dieses Porträt in einem prächtigen Rahmen und es steht da auch allerlei drum herum.
00:01:21: wenn man nun aber mal näher herantritt wie man das im Museum so macht und auch immer so ein bisschen von der Seite guckt usw.
00:01:28: dann wundert man sich Denn gerade das Gesicht sieht seltsam aus.
00:01:34: Das gilt besonders für die Augen, irgendwie alles ein bisschen unscharf verwaschen wie auch immer.
00:01:42: Das liegt nun aber nicht daran dass der Künstler schlecht war, dass er geschludert hat sondern daran dass dieses Bild im Museum hameln eins der Ziele einer Serie von Anschlägen auf Kunstwerke war, die so in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig ist.
00:02:06: Ich glaube sogar darüber hinaus!
00:02:09: Wir reden heute über den sechsten Oktober nineteenhundert siebenundsiebzig – den Tag an dem der Kunstzerstörer in Hameln zuschlog.
00:02:24: Claudia gibt uns doch mal kurz die Museumsführerin und Erzähl uns was von dem Bild, von dem ich da gerade geredet habe.
00:02:34: Genau das geht um das Porträt des Kanzlers Jobs von Walthausen.
00:02:38: Das ist eine Leigabe der Münstergemeinde beziehungsweise jetzt der Stadtkirchen Gemeinde dass seit Zwei-Tausend Elf bei uns im Reformationszimmer als Leihgabe hängt.
00:02:49: gefertigt wurde das von einem Düsseldorfer Mahler mit Namen Wilhelm Wunderwald auch ein wunderbarer Name Und zwar im Auftrag der Familie von Waldhausen.
00:03:00: Laut Rahmeninschrift ist es der Münstergemeinde, gestiftet worden, von einem Nachfahren eben jenes Kanzler, der darauf abgebildet ist, dem Freie Herrn Julius von Waldhausen.
00:03:14: Das ist jetzt nicht das Hauptthema!
00:03:17: Wir sind noch nicht mal richtig beim Hauptthemer angekommen aber wir sind ein Geschichtspodcast und Geschichte für die meisten Leute.
00:03:22: erst dann wenn die Leute verkleidet sind... Deswegen gehen wir einmal kurz ein bisschen weiter zurück.
00:03:28: Wer war Kanzler Jobst von Walthausen?
00:03:32: Genau, Jobst oder Jobs oder auch Justus von Walthausen war juristischer Berater von sogar zwei Landesherren im sechzehnten Jahrhundert und hatte dadurch weitreichenden Einfluss in den wellfischen Landen.
00:03:45: Und zu den well-fischen Landen gehörte ja auch Hameln und dort wurde dieser Jobst Am dreißigsten April, Fünfzehnhundertacht geboren.
00:03:58: Damals noch ohne von.
00:03:59: das Von bekam er dann erst später verliehen.
00:04:03: Er studierte auf jeden Fall in Wittenberg und Jena und kehrte dann Fünftzehntundertvierzig nach Hameln zurück und war dann hier zunächst erstmal Stadtsyndikus ein Stadtsyndikuss.
00:04:13: Das ist also der Jurist, der in der Stadt für Rechtssicherheit der Amtsgeschäfte sorgt.
00:04:18: Und diesen Job hat er hier dann ein Jahr lang ausgeführt, bevor er dann dank eines Empfehlungsschreibens von Martin Luther höchstpersönlich.
00:04:28: den hatte er nämlich in Wittenberg kennengelernt während seiner Studien.
00:04:31: Mit so einem Empfehlungsschreiben ist er dann direkt an den Herzoglichen Hof von Elisabeth nach Münden also heute Hannover-Schmünden gezogen wurde da als Geheimarat hinberufen.
00:04:46: Und dieser Justus von Waldhausen ist tatsächlich, ja kann man eigentlich so sagen die bedeutendste Hameln der Persönlichkeit rund um die Reformation.
00:04:54: Der hat gemeinsam mit Anton Corvinus fünfzehn zweiundvierzig dreiundvierzig hat er die neue Kirchenordnung nach der Reformation dann in den welfischen Landen durchgesetzt Die evangelische Kirchen Ordnung die Herzogin Elisabeth erlassen hat.
00:05:13: Corvin war Der.
00:05:16: Corvin war natürlich der Theologe, genau in Waldhausen der Rechtsgelehrte.
00:05:20: Das brauchte es ja beides um so eine Kirchenordnung durchzusetzen.
00:05:24: Dann wurde er ein Fürstlichen Diensten von Waldhausens schließlich auch Kanzler und hatte dann seinen Dienstsitz in Neustadt am Rübenberge für das Fürstentum Kalenberg.
00:05:36: Er kam aber auch für ne Zeit noch mal wieder nach Hamels Rück als Stiftskanoniker und starb dann, in groß Munzel auf seinem Anwesen, dass ein Stadtteil von Basinghausen ist.
00:05:49: Genau!
00:05:50: Das also erst mal zu Waldhausen?
00:05:54: Und dieses Bild war, habe ich mir richtig gemerkt, von Ich war auch schon als Stichwort ausgegeben.
00:06:06: Also fast sechzig Jahre hing das im Münster zuerst in der Elisabethkapelle und dann an der Südwand der Kirche.
00:06:19: Frage ins Publikum, dass sind so Sachen?
00:06:22: Die Museumsleiterin reicht mir das dann so rüber.
00:06:24: Elisabitkapeller weiß jeder was die Elisabetkapella im Münstern ist.
00:06:28: Kopf schütteln danke Das hatte ich gehofft.
00:06:31: Ich habe es dann nämlich selber herausgefunden müssen, ein kleiner Anbau auf der Südseite das ist so ein kleines Fütchen was quasi ans Münster dran gebaut ist im Grunde so zum in Richtung Schulhof da so in der Ecke und diese Elisabeth Kapelle steht auch noch nicht die ganze Zeit sondern erst seit zwölfhundert fünfzig.
00:06:55: also vielleicht sind wir einfach noch nicht dazu gekommen mal zu gucken.
00:07:00: Aber zurück zu unserer Geschichte im Münsterchen, das Waldhausengemälde.
00:07:05: Also bis zu jenem Tag im Oktober, von der Kunst zur Kunstzerstörung oder erst mal noch so ein bisschen zum zeitlichen Kontext.
00:07:22: in Hameln eine Menge los, beziehungsweise bei Hameln.
00:07:25: Da gab es dann nämlich zum Beispiel im März die Schlacht Umgrunde, wo Demonstranten gegen den Bau des Atomkraftswerk und die Polizei heftig aneinander geraten sind.
00:07:39: Es gab dann überregional auch nochmal den deutschen Herbst also den Terror der RAF.
00:07:45: Also es gibt schon einiges was da Aufmerksamkeit abgezogen hat denke ich mal.
00:07:51: Trotzdem reden wir über Sachen, die es in die Tagesschau geschafft haben im Folgenden.
00:07:56: Allerdings nicht die Hamelder-Episode, die wir jetzt besonders beleuchten wollen.
00:08:04: Gut!
00:08:04: Wir schauen ja erst mal auf die ganze Anschlagsserie.
00:08:06: So ist das genau.
00:08:08: Genau und diese Anschlagsserie ist tatsächlich sehr aufsehenerregend gewesen.
00:08:12: Ziel waren Gemälde in Museen und auch Sakrale Kunst, also zum Beispiel Altarfiguren in Kirchen.
00:08:21: Und der Täter benutzte Schwefelsäure später auch Keuer für seine Zerstörungswut.
00:08:27: Den ersten Anschlag, den verübte er Ende März, in Hamburg.
00:08:33: In der Hamburger Kunsthalle auf zwei Gemälde.
00:08:35: beim Ersten da war wohl noch ein bisschen zackhaft an dem waren keine ganz großen Zerstörungen dann zu bemerken.
00:08:44: aber das zweite was er mit seiner Säure traf das war der goldene Fisch von Paul Klee.
00:08:50: Und genau da hat er tatsächlich ziemlich einen Schaden angerichtet.
00:08:53: Ein Tag später war er dann im Altonaar Museum und hatte es da auf ein Bild abgesehen mit dem wunderschönen Titel Kühe auf der Weide.
00:09:03: Während der folgenden Monate werden dann Kunstwerke in Hamburg, Lübeck und Lüneburg in Essen in Dortmund und in Bochum mit Säure angegriffen.
00:09:12: In Hannover ist der Täter auch im August sieben-siebzig unterrichtet er den bislang größten Schaden an und kann unentdeckt entkommen wie bei den anderen Fällen?
00:09:23: Im Saalzehen, im zweiten Stockwerk des Niedersächsischen Landesmuseums.
00:09:27: Da zerstört er zwei Gemälde von Lukas Kranach dem Älteren – nämlich das Doppelporträt von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora.
00:09:40: Der Wert in der Anklageschrift wird damals mit neunhunderttausend Demag angegeben.
00:09:45: Außerdem trifft es auch noch drei Gemälden von Bartolomeos Bröhn.
00:09:51: Ja, aber die Anschlagsserie geht weiter.
00:09:53: Ende September werden in Lübeck dann in der Herz Jesu-Kirche benzingetränkte Mulbinden verwendet um Altarfiguren in Brand zu setzen und erst im Laufe des Ermittlungsverfahrens wird deutlich dass auch diese Taten also diese Zerstörungen mittels Feuer in Kirchen das die demselben Täter zuzuschreiben sind der auch diese Säureattentate verübt.
00:10:16: Dann kommt es zu einem Anschlag in der Düsseldorfer Kunsthalle auf ein Gemälde von Peter Paul Rubens, den Erzherzug Albrecht auch Ende August und danach wird dann eine Sonderkommission eingerichtet.
00:10:30: Und das verdichten sich die Hinweise, dass alle diese Angriffe auf Kunstwerke seit März hier tatsächlich einen und demselben Täter zugeschreiben sind.
00:10:41: denn besonders der Modus operandi ist halt immer ähnlich Als Tatmittel wird Schwefelsäure verwendet oder Feuer.
00:10:48: Und der Täter zielt in das Gesicht der Porträtierten, also das ist auch ein ganz typischer Fakt.
00:10:55: Zwar verfolgt die Polizei zu dieser Zeit noch keine heiße Spur denn der Tater kann wie erwähnt immer unentdeckt entkommen.
00:11:03: man geht dann aber mittlerweile von einem reisenden Täter aus also von jemandem der mobil ist und den ganzen Republik unterwegs.
00:11:11: Und es können auch immer mehr belastende Zeugen aussagen, dann tatsächlich aufgenommen werden.
00:11:16: In den Museen macht sich derweil die Angst vor dem Säurespritzer breit!
00:11:21: Ja da waren schon super bekannte Bilder dabei.
00:11:24: also wir lassen hier gerade im DWZ Café auf dem Bildschirm auch einige davon durchlaufen.
00:11:29: Gerade sieht man auch Kranachs Martin Luther Porträt das hat jeder schon mal irgendwo gesehen den goldenen Fisch von Clis zum Beispiel.
00:11:41: Ja, und dann Anfang Oktober ganz kurz vor dem, ich sag mal Finale zumindest dieser Serie von Anschlägen ist dann auch Hameln an der Reihe.
00:11:52: Genau am fünften Oktober in den Elisabethkirchen werden erst einmal drei Gemälde angezündet und dann folgendags darauf die zwei Anschläge in Hameln.
00:12:06: da gehen wir aber gleich noch ein bisschen genauer drauf ein.
00:12:08: Am siebten Oktober folgt dann nämlich der Höhepunkt dieser Anschlag-Serie und auch das vorläufige Ende der Kunstzerstörung.
00:12:17: Im Schloss Wilhelms Höhe in Kassel da verätzt der Täter drei Rembrandt gemälde, nämlich den Apostel Thomas ein Selbstbildnis und den Segen Jakobs und dann noch einen Werk von Willem Drost.
00:12:32: Eine Aufsichtskraft da im Museum in Kassel, dem fällt allerdings eine verdächtige Person auf und dann als die Polizei eintrifft.
00:12:40: Da kann diese Aufsichtskraft diese Person sehr detailliert beschreiben und ist tatsächlich auch noch selbst ein bisschen künstlerisch begabt und kann eine Zeichnung anfertigen von dem Verdächtigen.
00:12:51: Zum ersten Mal gibt es eine tatsächlich detaillierte Personenbeschreibung.
00:12:55: Und damit macht sich die Polizei dann auf den Weg und auf die Verhandlung in einem der umliegenden Hotels im Schweizer Hof, da kann sich ein Mitarbeiter tatsächlich an jemanden erinnern, auf den diese Beschreibung passt.
00:13:11: Dieser betreffende Mann hatte sich in dem Hotel unter seinem richtigen Namen angemeldet oder sich eingemietet und kann dann in der Nacht vom siebten auf den achten Oktober in seiner Wohnung verhaftet werden.
00:13:25: Und zwar ist das Hamburg, denn es handelt sich hier um einen vierzig Jahre alten Rentner namens Hans-Ju Ariambolmann, der in Hamburg lebt.
00:13:34: Genau!
00:13:35: Damit ist jetzt sein Name gesagt und bekannt.
00:13:40: aber gehen wir nochmal drei Tage zurück.
00:13:42: also wir haben jetzt gesehen Es ging um große Kunst, es ging um Kranachkliege Rubens Rembrandt und da folgt auch noch ein bisschen mehr.
00:13:53: Solche Kaliber, solche Kunst hatte Hameln damals nicht zu bieten und hat Hameln heute nicht zu Bieten.
00:14:00: Warum kam dieser Hans-Joachim Bohlmann trotzdem nach Hameln?
00:14:06: Ja, das ist tatsächlich eine gute Frage.
00:14:08: Also an diesem Mittwoch am fünften Oktober da ist Hans-Joachim Bohlmann erstmal in Kassel und plant da laut eigener Aussage die ganz große Sache – einen Anschlag nämlich auf die Rembrandt gemälde in Kassell Wilhelms Höhe!
00:14:23: Zuvor setzt er in zwei Kirchen mehrere Sakral-Gemälde, in Brand und dann zaudert er anscheinend.
00:14:31: Denn er ist wenige Wochen vorher in Hamburg wegen anderer Delikte verhaftet worden und erkennungsdienstlich behandelt worden.
00:14:40: Und er traut sich nicht – so sagt er später – in Kassel Schwefelsäure zu kaufen, denn er fürchtet aufzufliegen.
00:14:48: Man muss vielleicht auch noch kurz dazu sagen, Schwefellsäure konnte man in den Siebzigerjahren, in Apotheken und sogar in Drogerien kaufen.
00:14:55: Also das war ein bisschen zugänglicher als heute.
00:15:00: Auf jeden Fall fürchtet er aufzufliegen, erfürchtet erkann zu werden ist da also ein bisschen vorsichtig und fährt dann eben nach Hameln am gleichen Tag und mietet sich hier in einem Bahnhofshotel ein wahrscheinlich im Sintermann.
00:15:13: Das bekannteste Hotel von dem ich weiß in Bahnhofsnähe.
00:15:17: Warum hameln?
00:15:18: Danach wird er tatsächlich von einem Journalisten später auch irgendwann mal gefragt und das kann er nicht sagen.
00:15:23: Also es ist leider nicht eindeutig zu beantworten, warum es ausgerechnet Hameln ist sein Ziel.
00:15:29: Es liegt ja nur nicht gerade direkt in der Verbindung von Kassel irgendwo hin.
00:15:33: also er hat mindestens einmal umsteigen müssen.
00:15:36: aber nun gut!
00:15:37: Er ist in Hameln übernachtet dem Sintermann und am nächsten Tag geht er dann los und kauft sich Benzin und Kerzen und Waschlappen Und geht zunächst in die Augustinus-Kirche am Oster Torwald.
00:15:49: Da wird noch ein Gottesdienst gehalten morgens und danach setzt er zwei Altarfiguren in der Kirche in Brand, nämlich den Christus und eine Madonna.
00:15:59: Zwei Personen bemerken das allerdings – also sie bemerkt den Brandgeruchs, sie be merken nicht ihn aber sein Werk – und dann können die Flammen von zwei Bauarbeitern, die da auch in der kirche tätig sind direkt mit Blumenwasser gelöscht werden.
00:16:10: Also da ist tatsächlich ... kann die Zerstörung ein bisschen Einhalt geboten werden, kann der Zerstörung ein bisschen Inhalt geboten werden.
00:16:19: Siehst du es doch noch was zu schneiden musst hinterher?
00:16:24: Die Polizei, die dann kommt und den Tatort untersucht findet sogar noch weiteres Brandmaterial also noch weitere Waschlappen und Mul binden oder was er sich da alles besorgt hatte und Kerzen.
00:16:36: und man geht eben davon aus oder sie gehen davon aus dass Diese zwei Figuren nicht das Einzige waren, was brennen sollte.
00:16:43: Sondern dass der Täter tatsächlich da noch viel mehr
00:16:45: vorhatte.".
00:16:47: Nach eigener Aussage ist diese Brandstiftung für Bolmann dann auch äußerst unbefriedigend.
00:16:53: So sagt er später dazu befragt und das ist wahrscheinlich dann auch der Grund, dass er dann in Hameln einen weiteren Anschlag verübt.
00:17:02: Er begibt sich dann nämlich vom Oster-Torwall in Richtung Münster.
00:17:06: Kirchhoff war eine Apotheke in den Siebzigerjahren und in dieser kauft er dann die Schwefelsäure, betritt das Münster.
00:17:16: Das Waldhausengemälde hing an der Südwand ziemlich direkt gegenüber dem Eingang.
00:17:21: Es ist zwar eine Strecke, die man da überwinden muss aber da ist er drauf zu.
00:17:25: Es war das einzige Ölgemäldet in der ganzen Kirche.
00:17:28: Und spritzte eben die Schwefsäure auf das Porträt des Falzkrafenjobes von Walthausen.
00:17:36: Niemand wird darauf aufmerksam, obwohl man entkommt hier auch unbemerkt.
00:17:41: Bemerkt wird der Anschlag nämlich erst am kommenden Tag.
00:17:44: denn wie das Schicksal es so will?
00:17:46: Der Küster hat Donnerstags frei gehabt!
00:17:50: Das heißt also erst am Freitagvormittag sind wieder mehr Menschen und auch der Küster in der Kirche und ein Tourist macht ihn dann auf diese Schäden am Gemälde aufmerksam.
00:17:59: Und das hat die Devizet dann auch sehr eindrücklich geschildert, wie der Schaden da aussah.
00:18:04: Das muss ich mal vorlesen.
00:18:06: Vom Kopf des Pfalsgrafen ausziehen sich braune Streifen der Säure, die sich tief in die Leinwand eingefressen hat bis über den Bildrahmen hinweg nach unten.
00:18:16: Auch auf dem Fußboden finden sich Spuren des Anschlags.
00:18:19: hier sieht man überall rund um das Gemälde verteilt Spritzer der Schwefelsäure ,die auch in den Sandstein eingeetzt haben.
00:18:28: Genau, also tatsächlich ziemliches Zerstörungswerk.
00:18:32: Bohlmann fährt aber noch am gleichen Tag, also im Donnerstag direkt von Hameln wieder nach Kassel mit dem Zug.
00:18:38: Als er dort ankommt ist die Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe schon geschlossen.
00:18:43: Er übernachtet in einem Hotel, dem Schweizer Hof, mietet sich da unter seinem richtigen Namen Ein und die in Hameln gekaufte Schwefelsäure, die füllt er in ein Fläschchen um.
00:18:55: Und das trägt er dann am nächsten Mittag als er in die Ausstellung geht in seinem Strumpf
00:19:01: dabei.".
00:19:02: Und jetzt machen wir so einen cliffhanger-mäßigen Cut!
00:19:05: Ich könnte nämlich im Grunde noch mal wie vorhin bei der Elisabethkapelle eine Publikumsbestragung machen.
00:19:13: Augustinuskirche am Ostertorwall kennt vermutlich auch nicht jeder.
00:19:19: Da steht heute gar keine Kirche mehr, genauer gesagt steht da gar nichts mehr.
00:19:24: das ist vermutlich Baulücke für immer.
00:19:29: früher eben noch in den siebziger Jahren stande aber eine kirche nämlich die katholische Sankt Augustinuskirche und die hatte dann aber in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltklick ein Problem dass kirchen Heute eigentlich nur noch an Weihnachten haben.
00:19:50: Sie war überfüllt, weil Hameln viele Flüchtlinge aufgenommen hat aus Schlesien die Katholiken waren.
00:20:00: diese Gemeinden wuchsen also und dann war die Kirche am Osterthorweil schlicht zu klein.
00:20:05: Es wurde jetzt halb einen neuer Augustinuskirche gebaut Die auch noch steht Und benutzt wird nämlich an der Ecke Lohstraße Witzelin Straße.
00:20:17: Die wurde in den letzten Jahren in der Nähe von Augustinuskirchen eingeweiht und ab dann stand die alte, neugotische Augustinusschirche am Osterthorweil.
00:20:30: Sie verfiel nicht direkt vor sich hin, sie wurde provisorisch und interimsmäßig und sonst wie irgendwie weiter genutzt aber eben nicht mehr von der eigentlichen Gemeinde.
00:20:43: So war es dann eben auch, dass der Hans-Joachim Bohrmann in dem Jahr die Kirche über Betreten konnte.
00:20:51: An jenem sechsten Oktober, über den wir reden hatten, hatte mich gerade die Sankt Witzeling Gemeinde ein Beerdigungsgottesdienst abgehalten und ist in der Die Witze nachzulesen.
00:21:04: Und so konnte Bohrman dann in die Kirsche huschen und dort Altarfiguren anzünden.
00:21:13: Pannende Frage ist noch, wo diese Figuren heute sind.
00:21:17: komme ich gleich zu.
00:21:18: Erstmal warum steht da keine Kirche mehr?
00:21:21: Wie gesagt sie verfiel immer mehr als sie nicht mehr in regelmäßiger Nutzung war also schon die neue Augustinuskirche gab.
00:21:28: Sie sollte dann verkauft werden.
00:21:31: weil man aber die Bauunterhaltungskosten nicht mal so gerne tragen wollte und das Grundstück eigentlich auch anderweitig genutzt werden sollte sagte man wurde nichts draus.
00:21:41: wie schon angedeutet beantragte die Kirchengemeinde dann den Abriss und so geschah es im Juli.
00:21:52: So heute keine Kirche mehr am Oster-Torweil, aber wieder Zeitsprung.
00:22:02: Was wurde denn mit dem beschädigten Altarfiguren?
00:22:04: Und da sind wir noch ein bisschen bei der Recherche Status Work in Progress.
00:22:13: Für eine kannst du beantworten was mit dir ist denn sie war wirklich hinüber.
00:22:17: Genau die Madonna war unwiderbringlich zerstört und musste neu angeschafft werden.
00:22:21: Es
00:22:21: geht um eine Madonna, also eine Marienfigur oder eine Jesus-Figur.
00:22:25: das waren die beiden Althafiguren.
00:22:28: Die Madonna galt als da geht nichts mehr Und der Jesus wurde wohl dann restauriert und es wurde Da mit einem Kirchen-Inventar geht man ja nach Möglichkeit anständig um, wenn man eine Kirche abreißt das Pflegeheim Sankt Monika in Hameln.
00:22:47: Das hat für seine Kapelle dann viel übernommen auch Fenster, Bänke
00:22:52: etc.,
00:22:52: ich habe auch mit dem Leiter gesprochen aber so richtig hundertprozentig klären konnte bis heute nicht!
00:22:58: Ich werde es hoffentlich in den nächsten Wochen hinkriegen.
00:23:02: Es gestaltet sich ein bisschen langwieriger jetzt.
00:23:06: Wir können also zumindest sagen, vermutlich.
00:23:09: Vermutlich ist eine der beiden Figuren in Hameln geblieben.
00:23:13: Zurück zu Hans-Joachim Bohlmann.
00:23:16: was er getan hat wirft natürlich mehrere Fragen auf.
00:23:21: das sind Fragen die man sich bei kriminellen häufiger stellt nämlich sowas wie Was soll das?
00:23:27: Warum tut jemand so etwas?
00:23:31: und darum werfen wir jetzt mal einen genaueren Blick auf den Kunstzerstörer Hans-Joachim Bohlmann.
00:23:38: Genau, der Hans-Johann-Bohlmann wird ja in Hamburg in der Nacht vom siebten auf den achten Oktober nineteenhundertsiebenundseipzig in seiner Hamburger Wohnung verhaftet.
00:23:48: es folgt das Verhöhr und er gesteht umfassend.
00:23:52: Für die Hamburger Polizei ist Bohlemann aber zu dem Zeitpunkt, wie schon erwähnt, kein Unbekannter mehr.
00:23:58: Denn schon wenige Wochen zuvor war er schon einmal verhaftet worden.
00:24:01: Da hatte er auf Friedhöfen, auf Grabsteinen hatte er Hakenkreuze gesprüht Und er hatte auch bei so Roundabout-Hundert Schaufensterscheiben mit einem Glasschneiderhakenkreuze eingeritzt.
00:24:17: Dafür war er dann am vierundzwanzigsten September schon mal in Gewahrsam genommen worden, es war eine Vernehmung erfolgt und auch Bohlmanns Wohnung durchsucht?
00:24:28: Da er nicht vorbestraft war und da mit einem festen Wohnsitz war, wird er allerdings im Anschluss wieder auf freien Fuß gesetzt.
00:24:35: Und keiner der Polizisten ahnt zu dem Zeitpunkt dass dieser wegen dieser Sachbeschädigung gerade verhaftete Mann der berüchtigte Säure Spritzer sein könnte.
00:24:47: Der Zusammenhang wird erst klar als Bolmann dann nach dem Anschlag in Kassel identifiziert werden kann.
00:24:55: Hans-Joachim Bolmann stammte aus Breslau.
00:24:58: Dort wurde er am zwanzigsten September neunzehntseinunddreißig geboren, er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.
00:25:03: der Vater war sieben und dreißig zwar noch nicht aber dann kurz danach an der Front und die Mutter musste mit den Kindern mit zwei Kindern alleine aus Bresslau Richtung Westen fliehen.
00:25:18: Boelmann hat, aber das sind eben auch nur die eigenen Aussagen.
00:25:22: Die wir dazu haben hatte eine schwierige Kindheit und entwickelt schon in früher Jugend massive Zwangsstörungen sehr starke Ängste und Depressionen.
00:25:34: Schon früh unterzieht er sich deshalb Elektroschocks und auch einer Insulin-Komaterapie.
00:25:41: So was wird heute nicht mehr gemacht, weil nachgewiesen werden konnte dass diese Behandlung keine Ergebnisse erzielt die dem Patienten gut tun und ganz im Gegenteil ein hoher Grad an Patienten die das erdulden mussten dann tatsächlich auch daran verstorben ist.
00:25:59: Es folgen auch Psychotherapie und Psychiatrie Aufenthalte.
00:26:03: Eine wirkliche Linderung seines Leids tritt allerdings nicht ein, er bricht eine Lehre ab.
00:26:09: Er verdingt sich dann – nicht nur in Hamburg aber auch in Stuttgart als Hilfsarbeiter.
00:26:14: und interessanterweise arbeitet er in Hamburg auch eine kurze Zeit bei einem Chemiekonzern als Säureabfüller Gut, aber im Dezember vierundsiebzig schließlich unterzieht er sich wegen dieser unbeschreiblichen Angstzustände einer stereotaktischen Leukotomie.
00:26:36: Das ist ein neurochirurgischer Eingriff bei dem mit einer Elektrosonde Nervengewebe verödet wird
00:26:44: und das ist ein ziemlich verrückter finde ich Zufall.
00:26:50: Es gibt Fernsehbilder von dieser OP, weil damals nämlich die ZDF-Sendung Gesundheitsmagazin Praxis, die älteren erinnern sich diese OP gesclimt hat.
00:27:05: Also es gibt lange bevor da irgendwie interessant wurde, medial interessant wurde gibt es Bilder davon wie Hans Joachim Bohmann an die Hirn operiert wird.
00:27:15: Es ging damals in der Sendung noch nicht mal darum dass Diese Behandlungsmethode vorzustellen, eigentlicher Anlass war wohl das um Aufklärungsgespräche für Patienten gegen.
00:27:24: Genau.
00:27:25: Ergebnis ist dasselbe genau es wurde seine OP gestimmt.
00:27:29: Genau, vor laufender Kamera und weil es eben um diese Aufklärung gespräche ging auch das dokumentiert.
00:27:35: also Bolmann wird vor lauffenden Kameras über die Risiken eines solchen Eingriffs aufgeklärt.
00:27:41: Darunter sind auch Gedächtnisverlust und darunter wird auch Persönlichkeitsveränderung, wird da genannt.
00:27:48: Boelmann nimmt dieses Risiko aber in Kauf und er sagt eben selber auch in diesem Beitrag das der Leidensgrad seiner Angst so groß sei dass er diese Risiken in Kauf nimmt.
00:28:03: Als gute Idee erweist sich der Eingriff allerdings tatsächlich nicht.
00:28:07: Ein Arzt, der lässt sich später zitieren indem er sagt eine Menschen mit schwer gestörter Persönlichkeit wird obendrein eine Hirntraumatische Schädigung zugefügt.
00:28:21: Ja, Bohlmann war vorher schon lange krankgeschrieben weil er aufgrund seiner Neurosen nicht arbeitsfähig war.
00:28:29: Diese OP stellt seine Arbeitsfähigkeit nicht wieder her.
00:28:33: Er wird kurz darauf früh verrentet und im Anschluss an diese OP wird Bohlman der bis dahin zu keinem Zeitpunkt straffällig geworden war.
00:28:45: Er zeigt erstmals aggressive Impulse.
00:28:48: Er zündelt an verschiedenen Stellen.
00:28:50: Er dreht auf Friedhöfen Wasserhähne auf und dann passiert tatsächlich etwas für ihn Schockartiges, also etwas was Traumatisches.
00:29:05: Seine Frau, seine Ehefrau die er gekurzt zuvor geheiratet hatte Gertrot stürzt aus dem Fenster in den März und stirbt nach kurzem Krankenhausaufenthalt.
00:29:15: Und damit scheint dann so es sein Schilderung zu entnehmen, wirklich das letzte Hemmnis zu fallen und er beginnt diese Kunstattentate zu
00:29:25: begehen.".
00:29:27: Das ist die reinen Folge aber noch nicht die direkte Kausalkette sag ich mal.
00:29:31: also weil trotzdem fragt man sich nunmal warum macht er das?
00:29:35: Was will er erreichen?
00:29:36: Warum die schönen Kunstwerke?
00:29:39: Ja, das ist auch eine gute Frage.
00:29:41: Er will auf jeden Fall Aufmerksamkeit und was bei ihm aber anscheinend noch eine sehr große Rolle gespielt hat, ist dass er sich vom Leben betrogen fühlte also die mediale Aufmerksamkeit, die scheint seine Taten tatsächlich noch zu befeuern Aber in einem Interview mit der Spiegeljournalistin Beate Lakota Die lange mit ihm gesprochen hat.
00:30:00: da beschreibt er dass er, also auch vor dem Unglück seiner Frau tatsächlich schon oft das Gefühl hatte, dass das Leben und die Gesellschaft ihn nicht gut behandeln würden.
00:30:12: Und dann als seine Frau im Krankenhaus liegt, da denkt er noch, als er an ihrem Krankenbett sitzt wenn sie stirbt, dann mache ich was Schlimmes!
00:30:23: Ja und so kommt es dann tatsächlich auch.
00:30:26: Er wird später auch lange interviewt von dem Publizisten Peter Moritz-Pixhaus, der hat eine Abhandlung über Kunstzerstörer geschrieben in den Achtzigerjahren und der stellt diese Frage nachdem warum?
00:30:38: Auch ins Zentrum seiner Untersuchung.
00:30:41: Er stellt viele verschiedene Fälle durch, aber hat sich auch mit Bolmann eben sehr eindringlich beschäftigt und der eskiziert das Zerstörungswerk von Bolmann als politisch ideologisch aufgeladenen Protest.
00:30:56: Und gezielte Zerstörung historischer Identifikationssymbole.
00:31:01: Ich glaube tatsächlich selber, dass man diesen politischen Aspekt in seinen Taten nur schwer erkennen kann.
00:31:07: Also es ging ihm tatsächlich vielfach um Rache an einer Gesellschaft die er für sein Leid mitverantwortlich machte.
00:31:15: Es ginge um die Aufmerksamkeit.
00:31:18: Er verfolgt die Berichterstattung über seine Taten intensiv.
00:31:23: Er fühlt sich während dieser Anschlag-Serie, die der Polizei überlegt.
00:31:31: Er kann ja lange nicht gefasst werden... Ja, und gleichzeitig leidet er weiter an sich und an der Welt.
00:31:39: Also das ist tatsächlich nicht so eine ganz einfache Kausalkette sondern da sind mehrere Gesichtspunkte die da in dieses Barum mit rein spielen.
00:31:49: allerdings wissen wir dass auch alles nur aus seinen eigenen Aussagen Und er wird auch beschrieben als jemand der durchaus dazu neigte sich selbst und andere zu täuschen.
00:31:59: also von daher muss man das alles ein bisschen mit Vorsicht genießen.
00:32:05: Der Pixhaus, der hat Bolmann dann insgesamt beschrieben als äußerlich angepassten.
00:32:11: Als gewissenhaften und als Frommen oder als pedantischen Menschen aber eben auch als menschenvoller Widersprüche.
00:32:18: denn nach eigenem Bekunden verabscheut bol man das dritte Reich zutiefst weil er das Dritte Reich, die Nazis und Hitler sogar ganz persönlich für weite Teile seines Leidens verantwortlich oder mitverantwortlich macht.
00:32:35: Und dennoch verunstaltet er eben diese Grabsteine und die Schaufensterscheiben mit Hakenkreuzen.
00:32:42: Er ist auch gläubiger Christ, er ist Mitglied in einer Kirchengemeinde.
00:32:45: Er singt im Kirchenkorb und doch geht er vielfach eben ganz gezielt auf sakrale Kunst los – auf heiligen Darstellungen.
00:32:55: Und im Laufe seiner Zeit werden diese Anschläge ja auch immer gezielter.
00:32:59: also der recherchiert und plant das sind ja keine Effekt-Taten mehr sondern er informiert sich über die Standorte berühmter Gemälde Er spritzt die Säure auch immer ganz gezielt in die Gesichter der Abgebildeten, weil diese Partie am schwierigsten zu restaurieren ist.
00:33:15: Also er hat wirklich einen Zerstörungsdrang dem er planvoll folgt.
00:33:21: Will aber niemanden verletzen dabei?
00:33:23: Also er geht nie auf Menschen los sondern hat es auf die Kunstwerke abgesehen.
00:33:28: Ja wenn ich so richtig im Ohr hab, hat er in einem Interview gesagt er wollte gemein sein was irgendwie auch sehr gut passt wenn man dann Friedhöfe, Kirchen, Kunst.
00:33:39: Also ja all diese Wehrlosen aber irgendwie schön oder zumindest gesellschaftlich hoch angesehenen Sachen dann angreift Warum können wir so viel Küchenpsychologisieren über den Mann?
00:33:55: weil er sehr sehr sehr viele Interviews hinterlassen hat?
00:33:59: Oder sehr viel Interview-Dauer eine sehr lange Interviewdauer das war die Spiegeljournalistin, die du eben schon erwähnt hast wie
00:34:10: Beate Lakota.
00:34:11: Und daraus wurde dann zum Beispiel beweisen selten auf andere Podcasts.
00:34:16: Aber in dem Fall darf man das ruhig machen.
00:34:17: es gibt einen öffentlich rechtlichen Radio Bremen war glaube ich viel dafür und vierteiler der Kunst.
00:34:25: zerstörer heißt quasi das ganze Leben von dem Hans-Joachim Bohlmann auch im Wesentlichen anhand dieser Interviewo-Töne durchleuchtet wird, dargestellt wird.
00:34:38: wie auch immer.
00:34:39: Sehr spannend.
00:34:40: und es gab vor kurzem, wo wir schon bei Medientip sind... Es gab nicht vor kurzim vor ein paar Jahren, gab es einen Arte II Teil da.
00:34:49: der hieß glaube ich auch Kunstzerstörer, der sich so allgemein mit diesem Phänomen beschäftigt.
00:34:56: Auch da kann man zugreifen, wenn man sich noch Fragen zum Thema stellt.
00:35:02: Ja aber bei uns jetzt sozusagen weiter in der Chronologie.
00:35:07: wir hatten die Verhaftung im Oktober.
00:35:10: neunzehn sieben siebzig.
00:35:12: dann folgt ein Prozess vor dem Landgericht Hamburg und was kommt an?
00:35:18: Ja, das Urteil.
00:35:19: Also vor der großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg geht dann am einendreißigsten Januar neunzehntneunundseipzig das Urteil gegen Bolmann wegen gemeinschädlicher schwerer Sachbeschädigung und er wird zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
00:35:34: Die sitzt er auch ab und nach dem Absitzen der Haftstrafe begeht er eine zweite Anschlagsserie, allerdings von einfachen Sachbeschädigungen.
00:35:45: Gemeinschädliche schwere Sachbeschedigung ist eben tatsächlich die Beschädigung von Kunstwerken.
00:35:51: Diese zweite Anschlag-Serie sind einfache Sachbeschädigungen, da zündet er Baumaschinen an und Zersticht.
00:35:57: Reifen wird auch in dieser Sache verurteilt.
00:36:01: Und begibt sich danach dann freiwillig in stationäre psychiatrische Behandlungen.
00:36:11: Einen Kunstanschlag, und zwar eine verheerende Säure-Attacke auf drei Düragemehl in der Alten Pinakothek in München.
00:36:23: Diese Attacke schafft es auch in die internationalen Schlagzeilen.
00:36:27: Im anschließenden Verfahren wird er dann das erste Mal in einem Gerichtsverfahren für vermindert schuldfähig erklärt.
00:36:33: Vorher war das nicht der Fall, dabei immer für vollschuldfähige erklärt worden und er wird dauerhaft in der forensischen Psychiatrie in Hamburg-Oxenzoll untergebracht.
00:36:43: Da versucht er zweimal zu fliehen aber weitere Anschläge verübt er nicht.
00:36:52: Das war die Verurteilung, dass er in Oksenzoll saß und dann ordnete das Oberlandesgericht Hamburg seine Entlassung an.
00:37:04: Gegen große Widerstände, unter anderem gegen Widerstande des Freistaats Bayern aber auch gegen Widerschände aus der Kunst- und Kulturszene, denn Bolmann galt nicht als geheilt!
00:37:17: Das Gericht befand jedoch, dass die Freiheitsrechte Bolmans schwerer Wögen als der Schutz von Kulturgütern denn er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sechzehn Jahre abgesessen und damit ein Vielfaches seiner eigentlichen Strafe in Unfreiheit verbracht.
00:37:35: Bohlmann kommt dann auf freien Fuß, er bekommt strenge Auflagen.
00:37:39: Unter anderem ein generelles Hausverbot für Museen denn in den großen Museen und Kunstsammlungen geht tatsächlich die Angst um.
00:37:47: also es wurden dann zwei tausend vier in großen Kunst sammeln wurden Fotos von Bohlman aufgehängt in der ganzen Republik weil man angst hatte dass er wieder zuschlägt.
00:37:57: Zwei Tausend Fünf folgten dann die langen Gespräche mit Beate Lakota vom Spiegel, die lange Interviews und da ist er sehr zuversichtlich rückfällig zu werden.
00:38:07: Er wollte niemand mehr enttäuschen, er sei auf einem guten Weg und ja wirkt auch da ganz beschwingt.
00:38:14: tatsächlich
00:38:15: Und das klappt nicht würde ich mal wetten.
00:38:19: Nein, tatsächlich nicht.
00:38:20: Denn in dem Jahr zwei Tausend Sechs erhält Bohlmann eine Krebsdiagnose.
00:38:26: Er war sein Leben langs starker Raucher und diese Nachricht scheint dann wieder so ein Schicksalsschlag zu sein der bei ihm wie so einen Trigger wirkt.
00:38:37: also damit ist er wieder in dieser Position dass er sich ungerecht behandelt fühlt vom Leben von der Gesellschaft.
00:38:46: Und so fährt er dann im Juni, zwei Tausend Sechs nach Amsterdam und zündet in Reiks Museum die schützten Mahlzeit zur Feier des Friedens von Münster aus dem Jahr sechzehnhundert achtundvierzig an.
00:39:00: Das Personal reagiert sehr schnell.
00:39:02: Das heißt das Gemälde wird nicht stark zerstört.
00:39:05: nur die oberste Firmessschicht wird von dem Feuer angegriffen wo man wird vor Ort noch verhaftet festgenommen und dann in den Niederlanden verurteilt.
00:39:16: Tja, und die Gesamtbilanz seiner Zerstörungswut bis dahin sind über fünfzig Gemälde und Statuen und Altäre im Gesamtwert von seiner Zeit geschätzten zweihundertsiebzig Millionen Mark.
00:39:30: Genau das wird meistens in Euro heute dann gesagt etwa hundertreißig oder hundertdreizig vielleicht auch eher.
00:39:38: wenn man es dann inflationsbereinigt
00:39:42: usw.,
00:39:43: kommt man da noch auf ganz andere Summen
00:39:45: Und wenn man die Kosten für die Restaurierung, die nötig wurden dann auch noch da drauf rechnen.
00:39:49: Richtig!
00:39:50: Das ist also eine unfassbare Summe
00:39:52: und aus harmender Sicht kann man sagen wir haben kein vollständiges ranking gefunden.
00:40:01: aber ich glaube hier war es das billigste Kunstwerk.
00:40:04: Das wissen wir nicht.
00:40:06: dass wissen wir.
00:40:07: das wäre ein bisschen despektierlich das so auszudrücken.
00:40:10: aber es war tatsächlich hier.
00:40:12: der schaden war.
00:40:15: Ja, also er ist schon nach Kunstlexikon.
00:40:18: Er hat sich fortgebildet und gezielt wirklich die teuren bekannten Werke gesucht.
00:40:27: Was Leute so gemacht haben als es noch kein Social Media gab, denkt man da fast.
00:40:31: Aber wenn man diesen Aufmerksamkeitsimpuls hat... Wie gesagt in Hamburg wurde's nicht so fürchterlich teuer.
00:40:40: zu den beiden Altarfiguren in der Augustinuskirche haben wir nicht so richtig.
00:40:48: Die Polizei sprach damals mal schnell von einem Schaden von ungefähr zweitausend Mark und ja, das sind dann auch... Wald schnell geäußert, auch sehr ungefähre Angaben.
00:41:01: Aber das hat es dann sogar in die Gerichtsverhandlungen.
00:41:03: also wer hat glaube ich geschafft sagtest du?
00:41:05: Ja ja genau das ist im.
00:41:08: In der Anklageschrift wird das so beziffert aber da kann man tatsächlich gar nicht so ganz genau sagen.
00:41:13: und bei dem Walthausen gemälde kann man das auch nicht so genau sagen.
00:41:18: Aber wie ging's mit dem Gemäldewalter?
00:41:21: das sieht ja heute wieder deutlich besser auf
00:41:23: Das stimmt.
00:41:24: Das wurde dann an dem siebten Oktober, an dem Freitag als das entdeckt wurde direkt auch schon von drei Restauratoren des Landesamts für Denkmalschutz aus Hannover in Augenschein genommen und am folgenden Tag dann auch in die Landeshauptstadt gebracht, in der Hoffnung es retten zu können.
00:41:42: Aus dem Restaurierungsbericht geht dann auch hervor, dass der Säureanschlag tatsächlich drei Viertel des Kopfes der Darstellung völlig zerstört hatte.
00:41:53: Diese acht Säurenläufer hatten sich schon tief in die Leinwand eingefressen und das lag natürlich daran, dass erst am Folgetag erkannt wurde.
00:42:02: Das ist sowieso ein Problem bei Säureschäden, wenn das Gemälde hängen bleibt.
00:42:07: Dann läuft die Säure natürlich ganz schön die ganze Mahlschicht das ganze gemäldee hinunter und verätzen es tatsächlich wie verbrennen also das Material wird wirklich und wieder bringlich zerstört.
00:42:20: Sofortmaßnahme ist eigentlich bei allen Museen mittlerweile bekannt, also wenn Gemälde mit irgendetwas bespritzt werden, wenn da irgendwas aufgebracht wird sei es Säure oder was anderes dann muss ein Gemälden sofort hingelegt werden damit der Schaden eben möglichst begrenzt bleibt auf diesen Bereich.
00:42:39: Die Säure wurde dann aber vom Restaurator neutralisiert.
00:42:43: Diese Farbschichten, die da drum herum aufgequollen waren, wurden ausgeglichen und dann gab es eben eine Ritusche.
00:42:49: also nur dass das wieder einigermaßen hergestellt wurde, diese Mal-Schicht.
00:42:53: Diese Restaurierung ist tatsächlich erst sechs Jahre später abgeschlossen und dann kommt der Waltausend nach Hamel zurück wird auch erstmal wieder im Münster aufgehängt.
00:43:02: Allerdings führt unzureichend neutralisierte Säure dazu, dass diese Säuren weiterarbeitet und weiter Malschichtverluste zu entdecken sind.
00:43:12: Und sich auch so Farbbereiche-Farb-Schollen anheben.
00:43:17: Das Gemälde musste dann in den letzten Jahren nochmals behandelt werden.
00:43:21: Dieser zweite Restaurator führte in seinem Bericht aus, dass die Säurer nicht alle Reste neutralisiert wurden.
00:43:31: Das Tückische ist, wenn das nicht fachmännisch und bis ins Kleinste gemacht wurde, dass Säure dann bei steigender Luftfeuchtigkeit wieder aktiv wird.
00:43:41: Und die Zerstörung tatsächlich fortgesetzt hat.
00:43:46: Jetzt also die zweite Restaurierung, wo in einem sehr aufwendigen Verfahren nochmals diese Verätzung neutralisiert wurden.
00:43:54: Dann wurde das Bild erst wieder im Münster aufgehängt in der Sacristall Und von da wechselte es dann, in das Museum.
00:44:05: Ja die Spuren kann man tatsächlich immer noch insofern erkennen als das Gesicht wirklich so ein bisschen unscharf wirkt besonders dass eine Auge also das wirkt wirklich total verwaschen und das weiß dann noch ziemlich deutlich auf diese Säure Attacke hin.
00:44:22: Dein Gegen war der Zusammenhang mit dieser durchaus aufsehenden Aufsehen erregenden Serie der Kunstzerstörung in Vergessenheit geraten.
00:44:32: Also das war nicht mehr so richtig auf dem Schirm, dass Hameln Teil dieser Serie war.
00:44:40: Um die Klammer noch einmal kurz aufzumachen wir hatten so in den Vor- und drumherum Gesprächen bei dem Thema beim Steffort Restorationen.
00:44:50: Da kann man sich so schöne Gedanken machen oder so komplizierte Gedanken machen.
00:44:56: Wie lange ist denn ein Bild noch original, wenn da jemand das entscheidende Gesicht weggeätzt hat und die Restauratorin oder der Restaurateur malt es nach?
00:45:07: Weil weil's einfach nicht mehr da ist!
00:45:09: Ist das dann auch ein Rubens Rembrandt oder was auch immer?
00:45:13: Oder ist Featuring.
00:45:15: Das ist tatsächlich eine spannende Frage, also wirklich ab wann ist ein Gemälde tot?
00:45:22: Ab wann ist so zerstört, dass es unwiederbringlich ist?
00:45:27: und die Fragen haben sie sich vor allem in Kassel auch viel gestellt.
00:45:31: Die Restaurierung eines der Gemälden hat auch tatsächlich bis zum Jahr zwei Tausendzehn gedauert, bis Sie das wieder ausgestellt und aufgehängt haben weil da Vielfach dann Die Frage war, trauen wir uns das zu?
00:45:46: Das wieder so herzurichten?
00:45:48: und wie künstlerisch muss dann auch ein Restaurator gesegnet sein oder eine Restauratoren um das im Sinne des Künsters, des ursprünglichen Werks auch wiederherzurichten.
00:45:59: Also das ist tatsächlich nicht ganz ohne.
00:46:04: Hans-Joachim Bohlmann wird dann, nachdem er zwei Drittel seiner Haftstrafe verbüßt hat von den niederländischen Behörden aus der Haft entlassen.
00:46:16: Er ist damals schwer an Lungenkrebs erkrankt, kehrt nach Hamburg zurück wo er schon im Januar zwei Tausend Neun stirbt.
00:46:27: ja das traurige Ende eines traurigen Lebens unter dem Strich.
00:46:33: damit schließen wir dieses diesmal öffentlich vorgetragene Kapitel von Der Tag an dem mal mit einem Tag aus dem zwanzigsten Jahrhundert und gehen in unserer nächsten Folge wieder ein Stück weiter zurück, ein ganzes Stück in der Geschichte.
00:46:57: Dann
00:46:58: wird es bei uns gehen um einen Tag im siebenjährigen Krieg!
00:47:02: Ganz genau, achtzehn des Jahrhunderte.
00:47:05: Dann werden wir uns nämlich ansehen den sechsenzwanzigste Juli-seventeenhundertsiebenundfünfzig der Tag, an dem ist... zur Schlacht bei Hastenbeck kam.
00:47:17: Und dann erzählen wir auch von einem Loch in der Hastenbäckerkirche, wer kennt die Geschichte?
00:47:24: Auch Kopfschütteln!
00:47:25: Ach, dann erzähl mir wirklich noch was Neues.
00:47:27: Bleib gespannt.
00:47:28: Sehr schön, sehr schön.
00:47:30: Ja da draußen bedanken wir uns ganz herzlich fürs Zuhören und appellieren wie immer abonniert uns auf allen Kanälen setzt alle Häkchen und Glöckchen.
00:47:42: Und was man da so machen kann, dann verpasst ihr auch nicht die nächste Folge von der Tag an dem.
00:47:49: Und bei euch hier im DWZ-Kaffee bedanke ich mich ganz herzlich dass ihr dabei wart.
00:47:56: Bedanken wir uns.
00:47:57: ganz herzlichen Dank!
00:48:00: Ja Ihr wart uns ein tolles erstes Live Publikum.
00:48:03: Vielen
00:48:12: Dank.
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